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PEARS: Innovatives Verfahren zur Behandlung der aufsteigenden Aorta

Die chirurgische Versorgung einer dilatierten Aortenwurzel oder der proximalen aufsteigenden Aorta ist insbesondere bei genetisch bedingten Aortenerkrankungen eine große Herausforderung. 

Mit dem Verfahren Personalised External Aortic Root Support (PEARS) bietet sich eine Alternative, bei der die Aorta nicht ersetzt, sondern mittels individuell angefertigter äußerer Manschette stabilisiert wird. In Österreich wird dieses Verfahren am Allgemeinen Krankenhaus Wien und an der Medizinischen Universität Graz durchgeführt.

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Hintergrund und technische Grundlagen

Beim klassischen Wurzelersatz oder der klappenerhaltenden Aortenwurzelchirurgie wird die aufsteigende Aorta inklusive der Sinusregion ersetzt oder rekonstruiert. 

Univ.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Daniel Zimpfer

Leiter der Universitätsklinik für Herz- und Thorakale Aortenchirurgie der Medizinischen Universität Wien

PEARS hingegen nutzt eine externe textile „Hülle“, zum Beispiel ein mikroporöses PET-Material, die individuell mittels CAD-Modellierung auf die präoperative Bildgebung (CT/MRT) angepasst wird. Das Implantat wird um die Aorta gelegt und dient als Stütze, um eine weitere Expansion, Dissektion oder Ruptur zu verhindern. Das Verfahren verzichtet meist auf eine Herz-Lungen-Maschine und zielt auf Erhalt der nativen Aortenwurzel und Klappe ab.

Klinische Evidenz und Erfahrungswerte

Die bisherigen Ergebnisse sind vielversprechend: In einer Studie mit 200 Patienten betrug die operative Mortalität 0,5 %, und es traten in 596 Patientenjahren keine Dissektionen der gestützten Aorta auf. Bis Frühjahr 2024 wurden weltweit über 1.000 Patienten mit PEARS behandelt. Ursprünglich für das Marfan-Syndrom entwickelt, wird das Verfahren heute auch bei Loeys-Dietz-Syndrom, bikuspider Aortenklappe und idiopathischer Aortendilatation eingesetzt. Bei korrekter Implementierung bleiben die Aortendimensionen stabil, die Klappenfunktion erhalten und der Eingriff kann früher erfolgen als eine klassische Wurzeloperation.

Prof. Dr. Martin Andreas

Leiter der Klinischen Abteilung für Herzchirurgie LKH-Universitätsklinikum Graz

Genetische Syndrome stellen die Hauptindikation dar, jedoch nicht exklusiv. Die Aortenklappe sollte funktionell intakt oder nur gering insuffizient sein. Nicht geeignet ist PEARS bei akuter Dissektion, massiver Klappenpathologie oder stark verkalkter Aortenwurzel. Entscheidend ist eine präzise Bildgebung und Patientenselektion – PEARS ist eine individualisierte Ergänzung zu klassischen Aortenverfahren.

Die Prothese hat keinen direkten Kontakt mit dem Blutstrom des Patienten und konnte in Studien, im Vergleich zu anderen klappenerhaltenden Operationen, eine vergleichbare 5-Jahres-Überlebensrate zeigen, bei gleichzeitig geringeren Reoperationsraten aufgrund von Blutungen sowie kürzeren Operations-, Intensivaufenthalts- und Krankenhausaufenthaltszeiten.

Für die Beurteilung bitten wir um Übermittlung von CT/MRT-Bildgebung der Aortenwurzel, Klappenbefunden und Voroperationen an das Herzchirurgie-Team am AKH Wien (Tel.: 01/40400-69660) und LKH Graz (Tel.: 0316/385 82820). Die Indikation
wird dort interdisziplinär geprüft.

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Source : L. Conci, GL Busnelli, M. Winter, A. Andreeva, R. Saleh, A. Kahrovic, MP Ehrlich, D. Zimpfer, A. Kocher, E. Osorio-Jaramillo, Personalized external aortic root support: Implantation technique, JTCVS Techniques, Volume 32, 2025, Pages 35-38, ISSN 2666-2507, doi.org/10.1016/j.xjtc.2025.05.014. (www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2666250725002305)

Literature :

• Van Hoof L. et al., Heart 2021

• Treasure T. et al., UCL / Exstent Ltd 2024

• Marfan Foundation, PEARS Update 2025

• Treasure T, Pepper J, et al., OpTech Cardiothorac Surg 2021

• Golesworthy T. et al., ResearchGate Status Report 2024

• Redondo A, Austin C, et al., JTCVS Tech 2024

• VISAR Live Surgery Report 2025 (Vienna General Hospital, Kocher & Zimpfer)